Interview mit Bernd Nittnaus – Weinbau Nittnaus in Gols

Nachhaltigkeit heißt nicht Ausbeutung, sondern Kreislaufwirtschaft

Bernd Nittnaus aus dem burgenländischen Gols erzeugt Weine, die das Terroir widerspiegeln. Im Interview gibt es Einblicke in seine Philosophie.

(Interview geführt von Andreas Hamedinger)

Sie betonen auf ihre Homepage die Wichtigkeit des Bodens für den Weinbau. Warum?

Der Boden ist die Grundlage. Unsere Böden sind für unser Gebiet einzigartig. Die raren Hanglagen, wie die Ried Altenberg, zeichnen sich durch ihre Vielschichtigkeit aus. Donauschotter und Lehm und Tschernosem geben dem Wein dort seine Unverwechselbarkeit und auch ein gewisses Lagerpotenzial.

Legen Sie Wert auf eine ökologische Bewirtschaftung der Weingärten?

Ja, wir sind derzeit in Umstellung auf Bio, aber auch schon früher haben wir uns mit einer naturnahen Bewirtschaftungsweise auseinandergesetzt. Im Endeffekt arbeiten wir mit dem Boden, dem Klima und dem ökologischen Umfeld und der Natur. Ich denke, dass alles was wir dem Boden und der Rebe geben und nehmen einem Kreislauf unterliegt. Nachhaltigkeit heißt nicht Ausbeutung, sondern Kreislaufwirtschaft und dem Boden wieder zurückzugeben, was wir uns nehmen.

Wie wird sich der Weinbau in Gols in den nächsten Jahren entwickeln?

Der Weinbau geht in mehrere Richtungen. Modern – beim Wein in Richtung mehr Duft, Fülle – extremer. Nachhaltig – mehr auf die Produktion und das Handwerk bedacht – finessenreicher. Es hat alles eine Bedeutung. Für uns ist das Handwerk und die Langlebigkeit ein wichtiger Punkt.

Haben Sie persönlich mit dem Folgen des Klimawandels zu kämpfen?

Derzeit sind wir gefordert, die Weine nicht zu kräftig werden zu lassen. Dieses Jahr war ein wenig kühler, aber die Alkoholwerte sind wieder sehr hoch. Ich glaube spätreifende Sorten, Piwisorten, werden wichtiger, wenn es wärmer wird. Von den Klimakatastrophen (Spätfröste; Überschwemmungen, Starkregen; Stürme) sind wir zu einem Großteil verschont geblieben, aber ich denke sie werden zunehmen.

Sie erzeugen unter anderem Roweincuvées. Warum? Haben Cuvées in Österreich, den Stellwert, den sie verdienen?

Reinsortig ist in Österreich immer noch wichtig, aber Cuvées haben etwas Ergänzendes. Die Sorten ergänzen sich, wie zum Beispieil beim Heideboden Cuvée, wo der Zweigelt die Frucht und Finesse mitbringt und der Blaufränkisch die Würze und pikante Note.

Rotweine aus dem Burgenland. Wie werden diese im Ausland gesehen?

Ich glaube wir habe eine Qualität im Burgenland, die sich auf der ganzen Welt sehen lassen kann. Im Bereich der Herkunftsweine, wie dem Neusiedlersee DAC, ist der Zweigelt, die Rotweinsorte des Gebiets und auch sehr vielseitig.

Als Einsteiger in die Weinwelt: Was ist für Sie beim Rotweingenuss entscheidend? Welche Fehler werden immer noch gemacht?

Rotweine leben von der Frucht in der Nase und dem Abgang. Es gibt viele Geschmäcker, aber ich finde, dass üppige Weine zwar sehr gefällig sind, aber Finesse und Frucht langfristig viel mehr Spaß macht. Man soll sich beim Rotwein „eintrinken“, weil er erst nach einer gewissen Zeit aufmacht und sich entwickelt. Daher vorher die Flasche öffnen oder den Wein in die Karaffe geben.

Welcher Wein, den Sie  getrunken haben, blieb Ihnen besonders in Erinnerung und warum?

Ich war auf Praxis in Kalifornien im Napa Valley Chateau Montelena. Der Estate Cabernet Sauvignon war dort der Premium Wein. Die Arbeit, das Umfeld und die Leute, die ich kennenlernen durfte haben meine Erinnerung an diesen Wein gebunden. Es war einfach schön und der Wein sehr speziell und anders.

Sie könnten mit einer Person aus der Weinwelt ein Essen genießen. Was würden Sie ihn fragen

Ich würde meinen Urgroßvater fragen, was für ihn der Höhepunkt im Keller (war.

Welchen Wein würde Sie gerne einmal kosten /selbst erzeugen?

Vintage Port, handverlesen, im Granit getreten und fermentiert.

 

Kontakt:

Weinbau Bernd Nittnaus

Obere Hauptstraße 34

7122 Gols

Tel: 02173 2359

info@nittnaus-wein.at

www.nittnaus-wein.at

 

[Fotoquellen: Beitragsfoto: Bernd Nittnaus; Bild im Text: Thomas Sieberer]

"Die Welt gehört dem, der sie genießt."

- Leopardi
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