Weingut Gerhard Pimpel

Ein Interview von Andreas Hamedinger (AH) mit dem Winzer Gerhard Pimpel (GP):

AH: 2020 war in vieler Hinsicht ein herausforderndes Jahr. Auch im Weingarten?

GP: Das Jahr 2020 war ein sehr ereignisreiches. Natürlich ist im Gegensatz zu den bisherigen Jahren ein großer Unterschied im Verkauf und Vertrieb zu spüren, allerdings weniger beim Vegetationsverlauf im Weingarten. Nach einem sehr trockenen Winter und Frühjahr folgten erste nennenswerte Niederschläge nach der Blüte. Im Gegensatz zu den Weinjahren davor, gab es heuer einen etwas späteren Reifezeitpunkt mit einer leicht unterdurchschnittlichen, aber sehr vielversprechenden Ernte.

AH: Aus heutiger Sicht: Was können wir vom heurigen Jahrgang erwarten?

GP: Wie bereits erwähnt war die Reifeentwicklung im heurigen Jahr etwas verspätet. Die Hauptlese war somit bei uns in Göttlesbrunn Ende September bis Anfang Oktober, die bereits kühleren Nächte brachten dabei nicht nur hohe Zuckerkonzentrationen, sondern auch ein angenehmes Maß an Säure. Ich glaube wir können uns auf sehr fruchtige, gehaltvolle Weine freuen die ähnlich wie die 2019er langlebig und lagerfähig sind.

AH: Sie sie als Winzer von Corona betroffen?

GP: Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Ausnahmejahres sind enorm. Mit der Schließung der Gastronomie im ersten Lockdown und jetzt im zweiten hängen wir logischerweise auch mit drinnen. Einerseits fehlt uns der Absatz in Gastronomie und dem Handel, andererseits sind auch Verkostungen und Veranstaltungen für Endverbraucher nur begrenzt möglich gewesen. Aber natürlich hat die Gesundheit von uns alle Priorität und auch diese Krise wird, trotz enormer wirtschaftlicher Auswirkungen zu enden gehen.

AH: Österreichs Weinlandschaft: Wo standen wir vor zehn Jahren, heute und wo werden wir in zehn Jahren stehen?

GP: Dabei kann ich nur von unserem Weinbaugebiet Carnuntum sprechen. In den letzten Jahren hat sich bei uns sehr viel geändert, deswegen reden auch viele vom „Neuen Carnuntum“. Mit dem Beitritt zu den österreichischen Traditionsweingüter würde ein großer Schritt gesetzt. Dabei wollen wir die Herkunft in den Vordergrund rücken und mit dem neuen DAC Carnuntum auch auf Herkunftstypische Sorten, allen voran dem Zweigelt, setzen.

AH: Wo liegen ihre Stärken?

GP: Unser Schwerpunkt im Betrieb liegt wie so oft in Carnuntum beim Rotwein. Wir produzieren sehr gehaltvolle Weine, die auch sehr langlebig und lagerfähig sind und somit benötigen unsere Weine vor dem Genuss Reife und ein wenig Luft, um ihr volles Potenzial entfalten zu können. Wir kreieren dichte und zugleich elegante Weine mit Harmonie und Finesse. Mit kräftigen Löss- und kargen Kalkböden, sowie dem kontinental pannonische Mikroklima bietet das Terroir bei uns in Göttlesbrunn auf unseren Rieden Rosenberg, Bärnreiser und co. beste Voraussetzungen dafür.

AH: Ihre Rotweine sind ziemlich kräftig. Liegen Sie  damit im Trend?

GP: Unsere Weine überzeugen mit Eleganz, Finesse und haben auch den nötigen Druck am Gaumen. Wir produzieren sehr vielschichtige, kräftige Weine, die einige Jahre Zeit benötigen. Es ist vielleicht momentan im ein wenig der Trend leichter Weine zu trinken, die aber oft schon nach einem Jahr getrunken werden müssen. Wir versuchen die beste Qualität aus unseren Rieden herauszuholen.

AH: Welchen Ruf haben – Ihrer  Meinung – unsere Rotweine im Inland, im Ausland?

GP: Grundsätzlich glaube ich, dass wir auch hier einen großen Fortschritt in den letzten Jahren gemacht haben und mittlerweile auch international mit unseren Rotweinen mitmischen können. Speziell bei uns in Carnuntum mit unseren Einzellagen Rosenberg und Bärnreiser haben wir nicht nur österreichweit ein Top-Terroir für große Rotweine.

AH: Welche Fehler machen Menschen Genuss von Rotwein noch immer?

GP: Beim Genuss von Rotwein sind es mehrere Faktoren die einen Einfluss auf den Wein haben. Von der richtigen Trinktemperatur über Glasform bis hin zur richtigen Reife des Weines. Grundsätzlich würde ich sagen, wird Rotwein viel zu jung getrunken und oftmals auch ein wenig zu warm serviert.

AH: Gibt es eine Richtung von Weinen, die Sie gerne machen würden? Wenn ja, was hindert dich daran?

GP: Nein. Ich persönlich habe gerne sehr dichte und zugleich elegante Weine mit Harmonie und Finesse. Wir verbinden Boden, Klima, Trauben und Holz optimal miteinander und dabei habe ich hier in Göttlesbrunn, in Carnuntum beste Voraussetzungen.

AH: Was macht für Sie  Weingenuss aus?

GP: Gute Freunde, tolle Stimmung, ein guter gereifter Rotwein natürlich aus Göttlesbrunn 🙂 und passendem guten Essen.

Kontakt:

Weingut Gerhard Pimpel

2464 Göttlesbrunn | Kirchenstraße 19

Mobil: +43 (0) 664 / 9251637

maximilian.pimpel@icloud.com

weingut@gerhardpimpel.at

 

(Fotoquelle Beitragsfoto: @Ludwig Hirsch)

"Die Welt gehört dem, der sie genießt."

- Leopardi
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